Interviews

Lernen Sie Kaiserpflege noch besser kennen

 

11.05.2016

Interview mit Bärbel Nickels

Wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?

Ich bin in Wedel geboren und in Holm aufgewachsen. Das ist hier meine Heimat. Ich habe zunächst Floristin gelernt und später in der Montage gearbeitet. Mir liegt das Handwerkliche.
1996 war ich in einem Unternehmen, das Schriften herstellte.
Doch dann kam immer mehr das Grafik-Design am Computer auf und ich wurde arbeitslos. In dieser Zeit bekam ich zum ersten Mal mit der Pflege in Berührung.
Mein Großvater war dement. Und meine Großmutter erlitt einen Oberschenkel-Halsbruch. Ich habe beide gepflegt.
Ich lernte zu dieser Zeit eine Krankenschwester kennen, die sah, wie ich mich um meine Großeltern kümmerte. Sie fragte mich, warum ich nicht in die Pflege ginge. Und so begann ich wenig später als Pflegehelferin in Pinneberg.
Parallel habe ich die Ausbildung absolviert; immer abends von 19.00 bis 21.00 Uhr. Daran schloss sich ein Praktikum von vier Wochen an.
In dem Pflegedienst, indem das Praktikum stattfand, habe ich dann auch gearbeitet.

Wie lange?

15 Jahre.

Und was passierte dann?

Die Chefin des Pflegedienstes ging in Rente. Ich fühlte mich nicht mehr wohl in dem Pflegedienst.
Danach bin ich zum DRK gegangen. Das war 2010. Dort lernte ich auch Frau Kaiser kennen. Sie war die stellvertretende Pflegedienstleiterin.
Es war kurios, wie es losging.

Was meinen Sie?

Ich war am ersten Tag allein unterwegs. Und schon hatte ich einen platten Reifen am Auto. Ich erinnere mich genau. Das passierte an der Post. Die Männer standen herum und schauten zu. Keiner bequemte sich, mir zu helfen. Ich rief meine Chefin an – Frau Kross und bat darum, den Hausmeister zu schicken, damit das Rad gewechselt wurde. Mir dauerte das aber alles viel zu lange. Ich legte selbst Hand an. Einen der umstehenden Männer bat ich, das Rad anzuheben, wenn ich die Schrauben gelockert hatte. Nach einigem Zögern tat er das auch und ich konnte den Ersatzreifen aufziehen. Ich rief Frau Kross an und teilte ihr mit, dass der Hausmeister nicht mehr zu kommen brauchte.
Frau Kross war so begeistert über meine Einsatzbereitschaft, dass sie mir die Probezeit erließ.
2012 habe ich die Ausbildung zur Altenpflegerin begonnen. Erst kam das sogenannte kleine Examen – zum Ende des Jahres. Im Februar 2014 bestand ich die weiteren zwei großen Staatsexamen.
Ich habe gleich weitergemacht: Von Februar bis Mai 2014 absolvierte ich die Palliativausbildung.

Wie ging es weiter?

Im Juli 2014 hatte ich großes Pech: ein schwerer Unfall.
Ich wollte eine Patientin, die bettlägerig war, hochheben.
Sie litt unter Parkinson. Plötzlich sagte sie, sie schaffe es nicht und hängte sich mit ihrem ganzen Gewicht an mich – ein Deckenplattenbruch war die Folge. Ich mußte zwei Monate ein Gestell tragen, konnte nicht aufstehen.
Ich war völlig verzweifelt. Die Berufsgenossenschaft meinte, ich könne nicht mehr in meinem Beruf arbeiten. Doch ich habe nicht aufgegeben – ich habe alles mitgemacht: Reha-Maßnahmen, Gymnastik und vor allem war da der eiserne Wille, es zu schaffen.
Dabei hatte ich noch großes Glück. Der Arzt, bei dem ich zunächst in Behandlung war meinte, das sei eine völlig normale Geschichte bei Pflegekräften. Erst als der Rücken immer mehr schmerzte, wurde die wahre Ursache diagnostiziert. Ich hatte wohl Glück im Unglück: ein Stückchen weiter und ich wäre im Rollstuhl gelandet.
Als ich allmählich wieder auf die Beine kam, entwickelte sich die Idee, ein eigenständiges Pflegeunternehmen zu gründen.
Ich sprach darüber sehr oft zum Beispiel mit Simone Kaiser, meiner heutigen Geschäftspartnerin.

Was war denn die eigentliche Initialzündung dafür, in die Selbstständigkeit zu gehen?

Wie gesagt, der Unfall brachte mich dazu, darüber nachzudenken, was mir wichtig ist im Leben. Und mir war die Pflege wichtig. Aber ich wollte sie so gestalten können, wie ich es mir vorstellte. Wir hatten zum Beispiel einen Chef, der uns sehr viel bevormundete, obwohl er selbst gar nicht eine Pflegeausbildung hatte.

Worin bevormundete er Sie denn?

Er beanstandete zum Beispiel, wenn wir uns zu lange bei einem Patienten aufhielten, vielleicht mal ein Wort mehr mit ihm sprachen.
Dabei ist das so wichtig, sich Zeit zu nehmen für den Einzelnen.
Wir fingen also an, uns zu unterhalten, wie ein eigener Pflegedienst aussehen sollte.

Wer ist wir?

Simone Kaiser, Carmen Luplow und ich. Auf jeden Fall: Wir wollten den Pflegedienst kleinhalten. Ein kleines Team – eng miteinander verbunden, fachlich, sozial, emotional.

Was meinen Sie mit emotional?

Ich glaube, man muss sich mögen, wenn die Zusammenarbeit funktionieren soll. Und es muss auch so zugehen, dass jeder seine Meinung sagen kann, ohne dass es ihm gleich verübelt wird.
Wirklich der sein, der man ist – das ist für mich sehr wichtig.
Mir ist auch daran gelegen, dass wir nicht zu groß werden.
Im kleinen Team kann man miteinander besser umgehen, intensiver die Probleme besprechen, die Stärken aufeinander abstimmen.
Noch einmal zurück zur Initialzündung, zur zeitlichen Komponente:
Ich war bis zum 31. März 2015 in der Reha – Klinik in Bergedorf.
Am 02. April war die Eröffnung. Ich kam auf den letzten Drücker sozusagen zur Eröffnungsfeier. Aber es hat alles geklappt. Und heute bin ich froh, dass ich diesen Weg gegangen bin.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, hineinzuwachsen?

Das was neu ist, braucht natürlich seine Zeit. Es gab vieles zu lernen – den Büroablauf zu organisieren, die Dokumentation richtig führen.
Da hat auch jeder seine Stärken.

Wo sind Ihre Stärken?

Ich bin ruhig und ausgeglichen. Ich habe von Haus ein Talent zu spüren, wenn im Büro etwas nicht stimmt, die Atmosphäre zu kippen droht. Da kann ich vermitteln und die Dinge im Lot halten, wie man so schön bei uns sagt.
Jeder geht ja auch anderes mit Stress um. Wichtig ist, jedem den Raum für die Entfaltung seiner Individualität zu geben – ich denke, das ist auch eine Stärke.
Meine Stärken liegen auf jeden Fall darin, zu erspüren, was Menschen wollen, sie wirklich dort abzuholen, wo sie sich aufhalten – emotional und rational. Das liegt sicher mit daran, dass ich hier aufgewachsen bin, ich die Leute kenne und die Menschen mich kennen. Das erleichtert so manches Gespräch, besonders in den Anfangszeiten.
Ich schaue auch im Haus, was den konkreten Patienten ausmacht – zum Beispiel, wenn er Eulen sammelt. Dann gehe ich natürlich darauf ein. So wächst allmählich das Vertrauen, die Leute fühlen sich verstanden und sie können sich auf uns einlassen, wissen, dass sie nicht allein sind, selbst in den schwersten Stunden ihres Lebens.

Wie gehen Sie damit um, dass Mensch vielleicht nur noch ein paar Wochen zu leben hat?

Das Wichtigste ist: Jeder, wirklich jeder Patient ist verschieden – in der Art, wie er damit umgeht, was ihn noch umtreibt, worüber er sprechen möchte.
Das ist schon eine Kunst, sich mit der nötigen Empathie dort hineinzubegeben. Das macht aber auf der anderen Seite den Reichtum unseres Tuns aus. Wir erfahren viel, können viel geben und werden quasi selbst beschenkt von diesen Menschen.

Ja. Wir haben einen Patienten, der seinen 59. Hochzeitstag feierte.
Ich habe 59 Rosen besorgt und sie dem Ehepaar geschenkt.
Und was ganz besonders ankam: Ich habe die Blumen in Pastellfarben ausgesucht – das ist mir intuitiv eingefallen. Die Wohnungseinrichtung war in diesem Farbton gehalten und ich hatte mir das gemerkt.
„Das sind genau meine Farben“, reagierte die Ehefrau darauf und war sehr gerührt. Beiden hätte ich kein schöneres Geschenk machen können. Das ist eben das Besondere an unserer Arbeit: Du spürst sofort die Dankbarkeit, die dir entgegengebracht wird.

Ist das eine Stärke von Ihnen, aufmerksam zu sein?

Ich glaube ja. Das ist mir sehr wichtig, und: meinen Patienten natürlich auch.

Was zeichnet Ihr Team aus?

Wir können uns aufeinander verlassen – zu 200%!
Und: Mein Team nimmt mich so – wie ich bin. Ich muss mich nicht verbiegen.
Mir ist wichtig, dass wir alles besprechen können; dass wir es direkt ansprechen und nicht hinter dem Rücken. Ich denke, darauf kommt es an.
Wir halten untereinander Kritik aus, diskutieren die Dinge und arbeiten weiter.
Ansonsten gibt jeder von uns alles – da, wo seine Stärken liegen.

Übrigens: Wir sitzen auch gern mal privat zusammen. Unsere Ehemänner sind dann oft ebenfalls dabei.

Was unternehmen Sie gemeinsam?

Wir feiern gern, trinken ein Glas Wein oder auch zwei, sprechen über andere Themen, als die der Arbeit. Wir waren schon im Theater und zu anderen Events. Der Zusammenhalt wird dadurch sehr gestärkt. Und: unsere Männer kennen sich dadurch untereinander sehr gut, erleben hautnah mit, wie gut wir uns verstehen.

Was verstehen Sie unter individueller Kommunikation mit Patienten?

Zunächst: Wir im Team tauschen uns sehr eng aus. Bei einer Neuaufnahme werden alle Informationen an die einzelnen Mitarbeiter weitergegeben.
Wir sind dadurch alle gleichermaßen auf der Höhe des Wissensstandes; jeder kennt den Patienten. Wir tauschen uns täglich aus – damit hier keine Informationen verloren gehen.
Das merken die Patienten auch.

Wie?

Wenn mir ein Patient etwas sagt, was ihm wichtig ist und ich habe zum Beispiel am nächsten Tag frei, dann wird das, was vereinbart wurde trotzdem für ihn umgesetzt. Und zwar von der Teamkollegin, die an dem Tag beim Patienten ist.
Wir tauschen uns wirklich immer zeitnah aus, damit nichts von dem, was wir mit dem Patienten vereinbart haben, auf der Strecke bleibt, womöglich einfach vergessen wird.
Wir finden stets Wege, miteinander zu kommunizieren; selbst wenn es mal eine kurze SMS ist, weil sich jemand im Urlaub befindet.
Mir ist wichtig, dass die Patienten in uns einen echten Ansprechpartner haben – nicht nur einen, der irgendwelche Worthülsen von sich gibt.
Das bedeutet: sich mit der Biographie des Menschen beschäftigen, herausfinden, was ihm wichtig im Gespräch ist.
Manchmal ist das Gespräch doch noch die einzige Freude, die mitunter schwerkranke Patienten haben.
Ich verstehe mich da als „Seelenklempner“ in der positiven Bedeutung dieses Wortes. Und wenn sie gar nicht mehr sprechen können, dann finden wir andere Wege, um uns zu verständigen. Es kann ja sein, jemand verträgt keine kratzende Wolle am Körper – das müssen wir herausbekommen;
oder es gibt eine Unverträglichkeit für Milch.
Wir nutzen also alle Möglichkeiten – Informationen vom Arzt, Gespräche mit den Angehörigen oder engen Freunden.
Das Entscheidende ist: Man muss sich kümmern wollen, mit demjenigen kommunizieren wollen, dann geht das auch. Selbst ein Blick, eine Geste können wichtige Hinweise für uns sein, ob wir alles richtig machen oder ob etwas verändert werden muss.

Was ist für Sie persönliches Glück?

Ich habe 2006 meinen Mann gefunden – das ist mein größtes Glück. Er ist sehr verständnisvoll, fragt nicht, wenn ich nachts los muss – keine Eifersucht, keine Vorhaltungen. Bin ich mal traurig, dann gibt es jemanden an meiner Seite, an den ich mich anlehnen kann. Das ist schon toll.
Wir wohnen in Heist – einem Vorort von Wedel. Ich bin sehr gern in meinem Garten – da kann ich alles vergessen und bin glücklich.
Mein Glück ist meine Tochter Julia. Sie ist verlobt, arbeitet im Einzelhandel, und sie liebt Tiere sehr. All das macht mich stolz und glücklich.
Mein Mann und ich fahren regelmäßig in die Sauna, samstagnachmittags. Ich lass mir Massagen geben – auch das ist ein Bestandteil meines kleinen Glücks. Aber wir gehen auch gern tanzen. Wir sind sogar in einem Fan – Club der Gruppe „Just for fun“ – reisen mit ihnen zum Teil mit.
Am Sonntag, den 05.06.2016 beginnt 03.00 Uhr in der Hamburger Auktionshalle ein Konzert – das geht dann in den Tag hinein. Darauf freuen wir uns schon.
Es sind eigentlich stets die kleinen Dinge, die einem die nachhaltigste Freude bereiten.

Zum Beispiel?

Wenn wir morgens auf der Veranda sitzen, die Sonne geht auf und wir sehen kleine Lämmchen oder Kühe auf der Wiese vor unserem Haus.
Meine Tätigkeit hat mich zur Einsicht gebracht, so zu leben, als wäre der aktuelle Tag der letzte in meinem Leben. Das heißt, wenn es irgendwie geht, genieße ich zum Beispiel mit meinem Mann noch ein paar schöne Stunden. Ich glaube, das ist eine Einsicht, die einen letztlich wiederum glücklich macht und mich stärkt für das, was ich meinen Patienten an
positiver Energie weitergeben kann.

Frau Nickels, ich danke Ihnen für das Gespräch.


12.04.2016

Interview mit Simone Kaiser

Frau Kaiser, wie verlief Ihr beruflicher Werdegang vor der Gründung des Pflegedienstes?

Ich habe als Krippenerzieherin begonnen und bin anschließend in die Kinderkrankenpflege gewechselt. Das war 1988 in Rostock. Dann kam die Wende. Zunächst habe ich als Arzthelferin in Rostock in der Zeit von 1990 bis 1993 gearbeitet. Anschließend bin ich nach Elmshorn bei Hamburg gegangen und habe dort in der Nachtwache in einem Pflegeheim als Pflegehelferin gearbeitet – eine Woche Dienst, eine Woche frei, so war der Schichtplan. 1996 bin ich dann wieder zurück – nach Rostock. Ich wollte nie wieder in einem Pflegeheim arbeiten.

Warum nicht?

Ich hatte den Eindruck, dass die Bewohner im Heim nicht betreut, sondern nur „verwahrt“ wurden. Es ging um das Essen, die täglichen Routinearbeiten in der Betreuung, aber nicht um eine individuelle, eine fürsorgliche und zutiefst menschliche Zuwendung für die Pflegebedürftigen. Das hat mich enorm gestört.
Also ging ich 1997 in den ambulanten Bereich der Pflege – beim Deutschen Roten Kreuz in Rostock. 2001 bin ich nach Elmshorn gezogen und habe wiederum beim Roten Kreuz im Kreis Pinneberg gearbeitet.
Im gleichen Jahr erhielt ich übrigens auch meine staatliche Anerkennung als Pflegehelferin. Und: Ich konnte meine Ausbildung zur examinierten Krankenschwester beginnen. Das ist heute gar nicht mehr vorstellbar, dass es einiger Anläufe bedurfte, um einen solchen Ausbildungsplatz zu bekommen.

Was meinen Sie, woran lag das?

Ich denke, dass medizinisches und pflegerisches Personal längst nicht so nachgefragt wurde, wie heute. Zum Beispiel bekam ich 2004 bei meiner Suche nach einer Stelle vom Job-Center die Antwort: „Sie können sich auch im Ausland bewerben.“

Und, haben Sie das getan?

Nein. Ich bewarb mich wieder beim Deutschen Roten Kreuz und bekam in Wedel eine Stelle als stellvertretende Pflegedienstleiterin. Auf jeden Fall habe ich dort einige Jahre gearbeitet und mich auch zur Pflegedienstleiterin qualifiziert. Das war im Jahr 2013.

Was war denn sozusagen die Initialzündung dafür, als selbstständige Unternehmerin in die Pflege zu gehen?

Naja, ich wäre gern zur Pflegedienstleiterin aufgestiegen im ambulanten Bereich. Im DRK, dort wo ich arbeitete, gab es aber keine Aufstiegsmöglichkeiten. Aber das war gar nicht mal der Hauptgrund.

Und welcher war das?

Mir gefiel nicht, dass ich den Pflegebedürftigen wieder nicht die Zeit widmen konnte, die mir vorschwebte, und die auch von den zu Pflegenden gefordert wurde. Es kam noch ein wichtiges Motiv dazu: Ich hatte meine ersten Qualifizierungen in der Palliativpflege hinter mich gebracht. Und ich lernte meine späteren beiden Partnerinnen kennen – Carmen Luplow und Bärbel Nickels. Wir waren auf unterschiedliche Weise zu den gleichen Erkenntnissen gekommen: Wir wollten etwas aufbauen, bei dem die Patienten die wirklichen Gewinner sind.

Was meinen Sie damit?

Einfach den Patienten in den Mittelpunkt stellen, nicht dem Wort nach, sondern in der Tat, in der praktischen alltäglichen Pflege und Betreuung.

Was haben Sie mit diesen Überlegungen angestellt?

Wir haben am 02.April 2015 unseren eigenen Pflegedienst gegründet – im Bereich der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung.

Dann hatten Sie ja gerade Ihr einjähriges Jubiläum, oder?

Ja genau, und das haben wir auch kräftig gefeiert. Wir haben uns gut entwickelt. Inzwischen ist noch eine Mitarbeiterin bei uns – Ludmila Keil. Und Melanie Parakeings, unsere Auszubildende, hat ihre Probezeit erfolgreich überstanden.

Was ist Ihnen am Anfang leicht gefallen und wo hatten Sie Schwierigkeiten, in die Selbstständigkeit hineinzuwachsen?

Schwer gefallen ist mir am Anfang der gesamte Behördenkram. Und: die kaufmännischen, steuerlichen Aufgaben sowie die umfängliche Dokumentation, die zu leisten war.
Aber wir haben uns ja die Aufgabenfelder geteilt: Carmen Luplow kümmert sich schwerpunktmäßig um die Praxisanleitung, Bärbel Nickels um das Qualitätsmanagement. Das passt – wie man so schön sagt.
Wir sind ja auch in einem fast gleichen Alter – um die 50 Jahre. Haben also alle unsere Erfahrungen, die wir einbringen. Und das Risiko ist auch gut bei drei Geschäftspartnerinnen verteilt.

Was macht die Stärke Ihres Teams aus?

Zunächst: Die Kommunikation zwischen uns ist sehr gut. Das trifft auf das gesamte Team zu. Natürlich: Es gibt auch widerstreitende Argumente, die durch den „Raum fliegen“, wenn wir über bestimmte Themen diskutieren oder die Herangehensweise in der Betreuung eines konkreten Patienten besprechen. Doch das ist normal und gehört dazu. Sonst gibt es keine Entwicklung. Wir gehen wertschätzend miteinander um. Wenn wir schon untereinander nicht den Respekt zeigen, ja wie soll das dann erst im Umgang mit den Patienten sein?
Ich denke, es ist wichtig, den guten Kompromiss zu suchen, den Interessenausgleich zu finden, eine Lösung, in der sich die Ansichten aller wiederfinden. Oder die Situation verlangt eine bestimmte eindeutige Lösung und wir können uns nicht nur darauf einigen, sondern auch den Weg gemeinsam bestimmen, der zu gehen ist. Das ist meines Erachtens nach die größte Stärke in einem Team.

Was macht denn die spezialisierte ambulante Palliativpflege besonders?

Die Dankbarkeit der Patienten im Moment der Versorgung. Sie haben ja während des Interviews faktisch mitgehört, wie Angehörige sich mit einer Anzeige bei uns bedanken wollen.

Ja, habe ich. Mehr muss man eigentlich gar nicht wissen.

Wie gehen Sie mit Stress um?

Ich arbeite gern, sehr gern. Aber manchmal brauche ich eine Auszeit. Da fahre ich nach Mecklenburg, freue mich am Wasser darüber, wie schön das Leben sein kann.

Kann es sein, dass Sie aufgrund Ihrer Arbeit mit Palliativpatienten das besonders zu schätzen wissen?

Auf jeden Fall. Es ist doch so, dass selbst der nahende oder feststehende Tod in der nächsten Zeit nicht heißt, dass die verbleibenden Monate, Wochen, Tage oder Stunden keine Lebenszeit sind.
Im Gegenteil: Der Wert des Lebens bekommt in diesen Momenten ganz besonders scharfe Konturen. Ich habe zum Beispiel gelernt, nicht immer zurückzuschauen, sondern mich auf den Augenblick zu konzentrieren, ihn wahrzunehmen und zu genießen.
Wir haben ja nicht nur schwerstkranke Patienten, deren Lebensende abzusehen ist. Es gibt auch Menschen, die wir in einer schwierigen Situation gepflegt und die wir dann später zufällig auf der Straße wiedergetroffen haben. Das ist ein ganz besonders beglückendes Gefühl für uns.

Sind Sie ein glücklicher Mensch?

Ja, das bin ich. Ich habe den Job, den ich liebe. Und ich habe eine glückliche Familie.
Frau Kaiser, vielen Dank für das Gespräch.

Erschienen bei http://drmuellerconsulting.blogspot.de/2016/04/interview-mit-simone-kaiser.html


16.05.2017

Interview mit Sina Boje

Sina, seit wann arbeiten Sie bei der Kaiserpflege?

Seit dem 01. April 2017.

Das ist ja gerade mal einen Monat her.

Stimmt.

Wie kamen Sie denn zur Kaiserpflege?

Ich wollte mich verändern. Durch Gespräche mit Kolleginnen, die ich bereits kannte, habe ich von der Arbeit der „Kaiserpflege“ erfahren und das hat mich neugierig gemacht.

Darf ich fragen, wie alt Sie sind?

Ich bin 26 Jahre alt.

Wie verlief Ihr beruflicher Werdegang?

Ich habe 2009 die Realschule abgeschlossen. Darin enthalten war ein sogenanntes Pflegejahr. Deshalb war das ein erweiterter Realschulabschluss.

Dann sind Sie ja früh mit der Pflege in Berührung gekommen, oder?

Ja, das stimmt. Es ging in diesem Jahr darum, einen ersten Einblick in Themen der Pflege zu erhalten und verschiedene Praktika zu absolvieren.

Wie ging es weiter?

Ich habe anschließend eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin absolviert und 2012 den Abschluss erhalten.

Wo haben Sie mit der Arbeit als examinierte Altenpflegerin begonnen?

Ich war in den Jahren 2012 bis 2015 in verschiedenen Altenpflegeheimen tätig. Danach habe ich begonnen, in einer Tagespflege zu arbeiten und war in Teilzeit zusätzlich in einem ambulanten Pflegedienst tätig.

Wann war das?

Von 2015 bis 2017.

Was hat Ihnen in der Arbeit im Altenpflegeheim Spaß gemacht und was weniger?

Gut war, dass wir den Bewohnern sehr nahe gekommen sind, ein recht enges Vertrauensverhältnis zu ihnen aufbauen konnten.
In der stationären Pflege wächst man zusammen, wie wohl kaum woanders.

Und was war weniger gut?

Die festgelegten Zeiten im Heim ließen oft keinen Spielraum mehr, dass sich die Bewohner frei entfalten konnten. Uns fehlte oft die Zeit, uns intensiv mit einem Heimbewohner zu beschäftigen.

Woran lag das hauptsächlich?

Am Personalmangel. Die Aufgaben zu erfüllen, allen Anforderungen gerecht werden, in einem im enger werdenden Zeitrahmen, das war sehr schwierig.

Wenn ich das richtig sehe, sind Sie dann 2017 bei der „Kaiserpflege“ mit dem Thema der Palliativversorgung in Berührung gekommen?

Ja, das ist richtig. Aktuell aber bin ich noch stark in die allgemeine ambulante Pflege eingebunden. Ich habe selbst einen kleinen Tourenplan und befasse mich dort unter anderem mit der Behandlungspflege.

Wie arbeiten Sie sich in das Thema der Palliativversorgung ein?

Ich habe an einem online- Kurs teilgenommen, musste viel in der Fachliteratur nachschauen und lernen.

Was ist das für eine online – Ausbildung?

Das kann man mit einer Dual-Ausbildung vergleichen. Das Ausbildungsziel ist die Qualifizierung zur Palliativ Care Fachkraft.
Außerdem habe ich mich viel mit Fallbeispielen beschäftigt.
Zum Abschluss musste ich noch einen Pflegeplan für Patienten erarbeiten und einreichen. Jetzt warte ich auf das Zertifikat.

Was fällt Ihnen noch schwer in der Einarbeitung?

Es gibt noch viel zu lernen – zum Beispiel in der Behandlungspflege.
Und: Ich sammle jeden Tag neue Erfahrungen.

Können Sie mal ein kleines Beispiel dafür nennen, was Sie täglich neu lernen?

Ja, gern. Wenn ich einen Patienten anschaue und frage, ob er Schmerzen hat und er antwortet mit „nein“, dann sagt mir bereits heute meine Erfahrung, dass ich genau hinschauen muss und erst dadurch weiß, dass ihn vielleicht doch etwas bedrückt. Ich sehe dann schon, dass er mitunter unter Schmerzen leidet, obwohl er mir das Gegenteil gesagt hat. Ich meine also den Blick für das Ganze, dafür, dass ich alles tun kann, damit es dem Patienten wirklich gut geht.

Und was macht Ihnen besonders Spaß?

Ich fühle mich in dem Team hier pudelwohl. Das Miteinander ist großartig, denn das ist ja nichts Selbstverständliches.
Wenn ich Hilfe brauche, dann bekomme ich sie. Und wenn es mir mal nicht gut geht – die Kolleginnen sehen das, kümmern und sorgen sich. Das finde ich klasse.

Sina, sind Sie ein glücklicher Mensch?

Ja, das bin ich. Ich weiß jetzt, wo ich hingehöre, wo der Weg hingeht.
Ich kann mich hier entfalten und das macht mich glücklich.

Sina, vielen Dank für das Gespräch.

 

Quelle: © Dr. Uwe Müller

 


Das könnte Sie interessieren

Unser Team

Wir sind ein erfahrenes und engagiertes Team aus 6 starken Frauen mit einem großem Herzen.




Jetzt kennenlernen

Downloads

Formulare, Anträge, Infomaterial zum downloaden sowie andere nützliche Dokumente finden Sie hier immer aktuell und übersichtlich zum herunterladen.


Mehr erfahren

Kosten

Eine Versorgung im Rahmen der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) tragen alle gesetzlichen Krankenkassen. Auch viele Privatkassen übernehmen mittlerweile die Kosten einer SAPV.

Mehr erfahren

Kontakt

Lassen Sie uns reden.

Jetzt Kontakt aufnehmen